Eine
Künstlerin mit
filigran expressiven Bildnissen
Seelische Augenblicke
Ihr hauchdünner Stift eilt auf dem Malblock hin
und her, dreht Kreise, macht Zacken und Kurven, hält abrupt inne, ein
Kopf bildet sich, die Augen erwachen zum Leben. Um den tiefen Blick in die
Seele zu wagen, setzt Margret C. Feltus beim Zeichnen außer Sehen weitere
Sinneswahrnehmungen ein. "Mein Körper 'sieht' und 'fühlt', meine
Hand führt aus", meint die Düsseldorfer Künstlerin. Ihre Arbeiten
sind sinnlich filigran und expressiv zugleich. Beim Experimentieren fand MC
Feltus ihren ungewöhnlichen Malstil: Nach dem Motto "Fühlen statt
immer nur zu sehen", skizziert sie ihre Motive ohne dabei auf den Malblock
oder die Leinwand zu blicken. "Ich wollte feststellen, was dabei herauskommt,
wenn ich meine Hand ohne die Augen steuere", sagt die gelernte Grafikerin.
Die Wirkung, die sie damit erzielt, ist außerordentlich. Es sind Bilder von
innen, aus der Seele heraus. Wer hätte gedacht, dass Augen, die außerhalb
des Gesichts den Betrachter anblicken, besonders aussagekräftig sind?
Dass Hände und Füße, die sich vom Körper entfernt haben,
eigentümlich lebendig sind? Über hundert Eigenporträts malte
MC Feltus so auf der Suche nach dem Selbst. Sie hat viel erlebt, Schönes,
Seltenes und auch Schicksalhaftes. Mit dem Zeichenstift und Farben macht sie
es sichtbar. Nach Jahren der Werbung für ein großes Modelabel begann
sie vermehrt frei zu arbeiten und nahm die Auseinandersetzung mit der Kunst
auf. Seelische Spiegelbilder könnte man die Ergebnisse nennen. Ihr intuitives
Malen hat MC Feltus auf weitere Arbeiten ausgeweitet - sie fängt den
Augenblick ein, Eindrücke aus dem Alltag, Straßenbilder, Naturskizzen,
Stimmungen. "Was machst du da?", wurde sie vor kurzem von einer Kinderschar
an einer Bushaltestelle gefragt. "Ich male", meinte sie lächelnd. "Aber
du guckst ja gar nicht auf das Papier?" drängelten die Kinder. "Ja, ich
will ja ohne Hingucken malen", sagte sie, und die Kinder staunten.
Helmuth Haensch